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Posts Tagged ‘sechsecken’

Aprilwetter

And I never buy umbrellas   Cause there’s always one around (Tom Waits)

Kinder, wie die Zeit vergeht! Jetzt ist draußen schon wieder Aprilwetter. Durchwachsen, einzelne Schneeflocken, nass, trocken, dies und das, aber im Haus laufe ich schon beharrlich barfuß. Draußen ist es ungemütlich. Dabei war es neulich schon so schön warm – als ich unter einer Weide langspazierte, summten über mir Bienenschwärme, und die alte Kiefer knisterte, weil in der Sonnenwärme die Zapfen aufsprangen. Und dann drehten sich kleine Kiefersamenpropeller in der sanften linden Brise auf ihrem Weg zur Erde, irgendwo.

Aprilwetter war 2016 auch der Name für einen netten kleinen Kissenentwurf für die Patchworkgilde. Schon ist ein Jahr um, und ich kann den Entwurf für alle Interessierten online stellen – Kissen gehen immer, besonders, wenn man sich dann und wann auf der Suche nach ein bisschen Frühjahrsnestwärme nochmal einkuschelt. Oder am Wochenende noch ein Weilchen im Bett sitzen und lesen oder stricken möchte. Hier ist das Aprilwetter-Kissen-pdf.

Enjoy!

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Manchmal muss es ganz irdisch sein. Geerdet wie ein Kartoffelfeld.

Eigentlich wollte ich nur eine einzige Sechseckrosette aus sieben Teilen nähen; es begann alles mit der Idee für einen Liesel-Workshop und der Frage, was absolute Lieselneulinge wohl an einem launigen Abend so gelieselt bekommen – eine Sechseckrosette, in handlicher Eineinviertelinchgröße, klar! Also lieselte ich ein Anschauungsobjekt, applizierte es eher praktisch als schön auf eine Leinenserviette und war ganz zufrieden. Ein farbiger kleiner Tupfer in einem langen, bewegten Tag. Ich war rechtschaffen müde und schlief tief, fest und traumlos, um am nächsten Morgen mit der Erkenntnis aufzuwachen: Ich! Muss! Sechsecken! Nähen! Je mehr je besser, am liebsten ein zwei mal zwei Meter großer Quilt, ein Flickenquilt real wie Haselnüsse und Hefekuchen mit Rosinen. Wenn so eine Idee erstmal da ist, ins Rollen kommt und Fahrt aufnimmt, sollte es kein Halten geben. Ich schnitt stapelweise Stoffreste zu Hexagons, während mir die Staubmäuse possierlich um die Puschen tollten. Heften, anordnen, lieseln… Irgendwann zwischendurch knipste ich nochmal für drei bis vier Sekunden den Verstand ein und machte einen „Entwurf“,  das heißt, ich beschloss mal eben, die Teile nicht zu wahrlos, sondern in Doppelrosetten anzuordnen.

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sechs9Einzelne Hexies sind bewusst aus dem Fadenlauf gedreht – teils wegen der Musterung,
teils, weil es den Flickenquiltcharakter unterstreicht.
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sechs8Was für ein Farbglück! Die Muster, die Stoffe, die Farbverläufe, das Garn! (Diese sehr unpassende Erkältung in den ersten herbstkalten Tagen tat ein übriges, so doof wie sie war, aber immerhin war es möglich, auf dem Sofa Sechsecken zu nähen) Wenn man dann noch zwischendurch, bei Nähtreffen, anstatt fernzusehen und nochmal zwischendurch näht und näht und näht, dann blühen die Rosetten schneller auf als man „Hexadezimalsystem“ sagen kann.

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Manchmal darf es ganz einfach sein.
Manchmal darf man getrost ganz kleine Brötchen backen.

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Man kommt sich ja ein bisschen heiligenscheinpolierend intellektuell vor, wenn man Böll zitiert* oder auch nur erwähnt. Wenn man sonst ganz entspannt leichte Schmöker mit Happy End bevorzugt und schon mal mit „Gregs Tagebuch“ liebäugelt. Aber „Ansichten eines Clowns“ von Böll war schon immer ein Lieblingsbuch von mir. Schon mit siebzehn und mit türkisgefärbten Haaren war dieses Buch unter den Top Five meiner Lieblingsbücher. Ich kam darauf, weil ich gerade die Beschreibung des endlosen Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Spielens im Hinterkopf hatte. Clown und Freundin liegen bäuchlings auf Hotelbetten und spielen, und dabei das Klicken der Puppen auf dem Spielbrett, das Würfeln und Setzen, die meditative Endlosigkeit. Unplugged. – Ich hab die Stelle gerade im Buch gefunden: *„Ich habe ein ähnliches Gefühl der großartigen Leere manchmal beim Mensch-ärger-dich-nicht-Spielen, wenn es über drei, vier Stunden dauert; allein die Geräusche, das Klappern der Würfel, das Tappen der Puppen, das Klick, wenn man eine Puppe schlägt.“
Im Winter spielt sich’s leichter. Wir spielen rummikub. Endlos. Das Klicken der Spielsteine, das Rätseln um Spielzüge. Es geht um Nichts. (Auch das, das Nichts, so wunderbar im „Clown„.)

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Und weil manchmal nichts mehr zu tun bleibt, als die Welt ein bisschen bunter zu machen, gibt es für unsere Spielsteine einen maßgeschneiderten Hexiebeutel (aus: „Zauberhafte Lieseleien„). Das Format ist angepasst an die Menge des Inhalts, genäht aus den größeren 1 1/4“ Sechsecken. Nicht wie im Buch 7 x 3, sondern 8 x 3 Sechsecken. Dadurch wird der Beutel etwas breiter. Die Grundanleitung bleibt dieselbe, man muss nur vor dem Zuschneiden des Innenbeutels einmal messen, wie breit die Sechseckborte ist und das Rechteck für den Innenbeutel entsprechend verbreitern. Der Boden ist ebenfalls entsprechend angepasst an die Breite von acht Sechsecken und aus acht Teilen (Drachen) zusammengesetzt.

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Es wühlt sich so wunderbar in dem Beutel mit Spielsteinen. Es fühlt sich an, es hört sich an, es ist friedlich und echt und es geht so schön um Nichts.

 

Manchmal spielen wir auch Backgammon. Die handtaschenfreundliche Reisevariante steckt nach wie vor in einer abgewetzten Pappschachtel. Nee, da gibts keinen Beutel für. Da denke ich bloß prompt immer an eine Spielbrettvariante aus Stoff, die ich schon lange nähen möchte, mit Nachtblau und Sternen und Funkeln und Tierkreiszeichen, und dann träume ich mich so davon und meine Spielsteine fliegen raus und ich denke „Jetzt alles, aber keine 2 und 5 würfeln“ und dann würfel ich 2 und 5 und das Universum lacht und sagt, du weißt doch, dass ich keine Verneinungen kenne!

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♥ ♥

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Manchmal schreibt es sich wie von selbst. Tintenschnörkel fließen aufs Papier, man kommt gar nicht so schnell hinterher. Dann wieder knüllt man Blatt um Blatt zusammen, Ball für Ball, Papierknödel nach rechts, Papierknödel nach links, Papierknödel nach hinten. Kein Ansatz gelingt.

Zum Glück ist es mit Grannys häkeln ganz anders. Man häkelt einen, wie hübsch! Den nächsten, wie schön! Und noch einen, perfekt!

Aber die Wortschnipsel hier, die stammen von Papierknödeln.

Silk-Garden-Light-Noro-Yarn und Aya-Noro-Yarn sind sooo schön. Und recht wertvoll. Alles auf einmal zu kaufen ist nicht ganz so gut für das sparsame Gewissen, also habe ich Knäul für Knäul in Angeboten gesammelt. Aber was daraus machen?
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Was ich schon immer mal häkeln wollte, sind Sechsecken. Grannys sind ja sowieso liebenswert und immer eine Freude im Häkelkorb. Also mal Sechsecken. Farbverlauf in Grannys wirkt ganz von alleine. Trotzdem habe ich die sechs Runden der Sechsecken (6 Runden? 6 Ecken? runde Ecken?) in zwei mal drei aufgeteilt, d.h. nach drei Runden ein anderes Knäul gewählt. Mal ist es offensichtlich, mal nicht.
[knüll]

Wieder einmal ein Projekt, bei dem das Fädenvernähen genauso lange gedauert hat wie das Häkeln an sich.
[knüll]

Vor unserem Sommerurlaub stand die wichtigste Frage: In meinen Koffer packe ich… welche Häkelei? Zum Glück war dieses Nebenbei-Hexies-Häkeln schon seit einer Weile im Korb und verdiente es, weitergemacht zu werden. Häkeln mit Alpenblick – grandios…
[knüll]

Irgendwann am Anfang, die Häkelnadel tanzte fröhlich, fragte ich mich, wie ich die Sechsecken anordnen würde. Als Rechteck? Oder vielleicht sternenförmig? (Von diesem Gedanken bin ich noch nicht ab, irgendwann häkel/stricke ich eine sternenförmige Kuscheldecke!) Es wurden mehr und mehr Hexies, einen Teil hatte ich schon mit grau-rosa Garn verbunden, da wollte ich sie rautenförmig anordnen. Sah aber garnicht aus…
[knüll-knüll-knüll]

… und irgendwann fügte sich dann alles wie von selbst: Ein Teil Hexies war schon zusammengehäkelt, ein Teil lose im Korb, und wie von Zauberhand passten Anzahl und Anordnung zusammen. Rund sollte sie sein, die Decke! (Mit einer leichten Tendenz zum Sechseckigen).

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Happy, happy End: Die „Täler“ um die Sechseckfläche füllte ich beim rund-und-rund-und-rundherum-häkeln mit höheren Maschen als die glatten Kanten. Stäbchen, halbe Stäbchen, feste Maschen… So wurden die tieferen Lücken geschlossen, die Kanten wurden immer glatter. Es war schon fast eine Decke!

Dann die Frage nach der Randlösung, und das ist der Clou: Die Herausforderung war, mit einem Farbverlaufsgarn einen Rand im Farbverlauf zu häkeln. Zehn Reihen rundherum ergeben aber eine gut durchmischte Farbfläche, keinen Verlauf. Also tat ich was ich am liebsten tue (u.a.) und tüftelte eine Lösung aus. Und da war sie, dass es zum Jubeln war! Ich häkelte eine kleine Reihe Luftmaschen vom Rand hoch, kehrte mit Grannyclustern zur Fläche zurück, drehte um, häkelte Grannycluster nach oben und zurück, eine Masche in den Sechseckenrand gefasst, wieder nach oben etc, während die Farbe sich geschmeidig und wunderschön wandelt und wechselt.

Ich mag diese Decke sooo!
LVE
Und besonders die Rüsche.
Sie hätte einen richtig guten Text verdient…

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Dornröschen

Hier ist ein älteres Projekt aus meinem Fundus:

Hilde Klatt, "Sleeping Beauty"

Applizierte Rosetten sind eine schöne Möglichkeit, sich an das Lieseln heranzutasten. Bei einer großen, reinen Sechseckfläche mag man sich fragen, wie sowas jemals was werden soll. Bei einzelnen Rosetten wundert man sich andererseits plötzlich, dass man ratzfatz (oder auch rixfix) einen Stapel Rosetten fertig hat.

Detail "Sleeping Beauty"

„Sleeping Beauty“ war ein Geschenk für Patenkind Viki zur Einschulung (inzwischen ein Girlie auf dem Gymmie). Die Rosen und Blüten und das Romantische und Einkuschelige ließen mich an Dornröschen denken, aber den englischen Märchentitel fand ich noch stimmiger.

Rückseitendetail "Sleeping Beauty"

Apropos Beauty: Wir hatten heute einen freien Tag und waren zu viert auf Mädels-Shopping-Tour. In der Abteilung „Kinderschlafanzüge“ zog eine andere Kundin fassungslos ein Modell aus dem Sortiment und zeigte es mit einem Kommentar à la „ist das nicht furchtbar“ ihrer Freundin. Als sie außer Sichtweite waren, stürzten wir uns mit einem Jubelschrei darauf: Jaaa! Barbapapa! Und genau die richtige Größe!

Kennt Ihr noch diese kegelförmigen Morphmännchen? Wirklich furchtbar out of fashion . . . .

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